Filmästhetik und Kindheit

Kino I Kind I Welt

Vermittlung

Wie blicken Kinder auf Filme? Wie blicken Filme auf Kinder? Wie blicken Kinder durch Filme auf sich und die Welt? Diese drei Fragen bilden eine Konstellation, der sich das Projekt „Kind | Kino | Welt» zwischen 2016 und 2018 widmet, um daraus Einsichten in und Materialien für die Filmvermittlung zu generieren. In diesem Zeitraum werden Kinder (zwischen 9 und 12 Jahren) ein vielfältiges Programm mit Kindheitsfilmen aus aller Welt kennenlernen und in anschließenden Einheiten mit Vermittlern des Österreichischen Filmmuseums (Alejandro Bachmann und Stefan Huber) bearbeiten. Die im Forschungsprojekt «Filmästhetik und Kindheit» erarbeiteten Perspektiven und Ergebnisse sollen so in den Bereich der Filmvermittlung hinein weiterverfolgt werden. In der Auseinandersetzung mit Kindern als Zuschauern wird erforscht, was das Besondere an Kindheitsfilmen sein könnte und welche Form von spezifischer Seherfahrung das Kino bereithält, wenn Kinder darauf blicken oder im Zentrum seiner Geschichten stehen.

Den beteiligten Schulklassen werden über zwei Jahre hinweg im «Unsichtbaren Kino» des Österreichischen Filmmuseums Filme mit kindlichen Protagonist*innen aus allen Bereichen der Filmgeschichte im Originalformat gezeigt. Aus den Eindrücken einer ersten Nachbesprechung im Kino wählen die Vermittler Sequenzen aus, die in der folgenden Sitzung im Klassenzimmer genauer analysiert werden. Diese Vermittlungsarbeit wird auf der Website dokumentiert: Einer der ausgewählten Ausschnitte wird vorgestellt und von einer Sequenzanalyse begleitet, die sowohl ästhetische Strategien reflektiert als auch Vermittlungsansätze vorschlägt und in der Vermittlung gemachte Erfahrungen einschließt.
 
Was hier entstehen könnte, ist ein Dreifaches: Die Liste der über den Projektverlauf gesehenen Filme bietet – ganz praktisch – eine Orientierung, welche Filme aus allen Bereichen der Filmgeschichte für diese Altersklasse geeignet sind. Die Dokumentation des Arbeitsprozesses kann anderen Vermittlungsprojekten zur Orientierung dienen oder die Möglichkeit bieten, ganz konkret an dem jeweiligen Ausschnitt zu arbeiten.

Zudem könnte sich in den Ausschnitten und Sequenzanalysen auf der Homepage die Spezifität eines kindlichen Blicks abbilden: Was interessiert Kinder besonders? Welche Ausschnitte wecken ihre Aufmerksamkeit? Was sehen Kinder in den Filmen? Nicht zuletzt werden sich hier über einen langen Zeitraum junge Menschen intensiv und unter optimalen Bedingungen mit dem Medium Film auseinandersetzen (im konzentrierten Sichten eines ganzen Films im Kinos, analytisch an Ausschnitten im Klassenzimmer): und so theoretische Forschung und vermittelnde Praxis miteinander verzahnt.

Kind | Kino | Welt ist eine Kooperation des Österreichischen Filmmuseums mit dem DFG-Projekt «Filmästhetik und Kindheit».

30.09.2016, Alejandro Bachmann und Bettina Henzler

 

In Kürze erscheinen hier weitere Beiträge zu den Filmen aus dem ersten Zyklus (2016-2017): The Kid (Charles Chaplin, 1921), The Wizard of Oz (Victor Fleming u.a., 1938), Brot und Gasse (Abbas Kiarostami, 1970) , Wo ist das Haus meines Freundes? (Abbas Kiarostami, 1987), Ten minutes older (Herz Frank, 1978), Chihiros Reise ins Zauberland (Hayao Miyazaki, 2001), La Pivellina (Tizza Covi und Rainer Frimmel, 2009).